Rodrigo Pessoa, Shane Sweetnam, Denis Lynch, Bertram Allen, Cian O'Connor

Bärenstarke Iren gewinnen EM-Gold – Schweden rettet Silber

Die Reiter von der Insel gelten als ausgebufft, aber jeder weiß auch, was für starke Jockeys da im Sattel sitzen. Und mit Rodrigo Pessoa hat das Team seit diesem Jahr auch einen ganz routinierten Trainer, der weiß, wie der Hase läuft und der bereits im Vorfeld der Europameisterschaft angekündigt hatte, um Gold kämpfen zu wollen. Und nun hat das irische Team Gold! Dabei ging die Mannschaft geschwächt in die zweite Teamrunden: Bertram Allen hatte nach dem Ausscheiden in der ersten Mannschaftsrunde gestern mit Hector van d’Abdijhoeve entschieden, heute nicht mehr zu reiten. Sie hatten also kein Streichergebnis. Doch ganz nach dem Motto “Jetzt erst recht” legten Shane Sweetnam mit dem elfjährigen Zangersheide Hengst Chaqui Z v. Chacco-Blue-Quinar Z, Denis Lynch mit dem 14-jährigen Hannoveraner Hengst All Star v. Argentinus-Alme sowie Cian O’Connor mit dem elfjährigen BWP Hengst Good Luck v. Canturo-Furioso II mal eben drei Nullrunden hin.

Damit war die Entscheidung am Ende deutlich: 12,11 Punkte vor den Schweden mit 18,21 Punkten und der Schweiz mit 20,15 Punkten. Die Schweden, die als Führende in die Schlussrunde gekommen waren, fingen mit einem Zeitstrafpunkt von Henrik von Eckermann mit Mary Lou an, doch dann fiel Malin Baryard-Johnsson mit H&M Cue Channa aus – die elfjährige Stute schien vom Flutlicht irritierte und fußte in zwei Oxer ein. Dann entschied die Reiterin, aufzuhören. Douglas Lindelöwe und Zacramento kamen mit neun Punkten aus dem Umlauf und so lag der Druck auf Peder Fredricson mit dem elfjährigen H&M All In. Doch der Ausnahmereiter zeigte seine Stärke und legte die Nullrunde hin, mit der er sich im Einzel weiterhin auf Spitzenposition hält vor Martin Fuchs mit Clooney und Shane Sweetnam mit Chaqui Z.

Peder Fredricson & All In

Peder Fredricson & All In

Die Iren waren nach ihrem letzten Titelgewinn in Arnhem 2001 überglücklich. Teamchef Rodrigo Pessoa: “Sie haben heute Stärke und Willen gezeigt!” Auch Bertram Allen, der nicht mehr eingreifen konnte heute, fand anerkennende Worte für seine Kollegen: “Es war unglaublich. Einer war besser als der andere. Für mich selbst kann ich nur sagen, dass es nicht meine Woche war!” Der Kampfgeist der Iren war beeindruckend. Shane Sweetnam erklärte, dass sie beim gestrigen Abendessen sich gesagt hätten: “Wir schaffen das!” und Cian O’Connor ergänzte: “Wir dachten, dass uns das Flutlicht am Ende helfen könnte, dass das unser Vorteil sein könnte. Wir haben alle drei mutige Hengste – und so kam es!”

Für die deutsche Mannschaft wurde es am Ende Platz fünf. Marcus Ehning und Pret A Tout v Hiram Chambertin konnten ihren Top 3-Platz nicht halten, als am dritten Hindernis schon die Stange fiel. “Er hat etwas zu fein reagiert”, analysierte Ehning. “Ich war dann ein bisschen zu weit von dem Sprung weg. Das ist sehr ärgerlich. Aber ich kann ihm keinen Vorwurf machen.” Auf Platz acht liegt Ehning nun im Einzel. Laura Klaphake und die erst neunjährige Catch Me If You Can beendeten die zweite Mannschaftsrunde mit fünf Punkten. An dem kniffligen vorletzten Sprung, einem sehr engen Steilsprung, passierte es bei ihr. “Ich kam einen Ticken zu dicht ran”, merkte Klaphake an. “Aber sonst hatte ich das Gefühl, dass es ihre beste Runde war.” Für die Studentin reicht es fürs Finale – sie ist 25.

Hingegen Maurice Tebbel und Chacco’s Son v. Chacco-Blue-Lancer haben ihre erste Senioren-EM beendet. Nachdem es in den ersten beiden Prüfungen schon nicht lief, kamen auch nun zwei Abwürfe hinzu – am Einsprung der Dreifachen und am überbauten Wasser. “Ich hatte heute ein besseres Gefühl”, so der enttäuschte Tebbel. “Er sprang besser. So ein Fehler am Einsprung kann passieren und zum Wasser war er wieder zu ehrgeizig. Ich habe ein gemischtes Gefühl – es war toll, hier zu sein, aber die vielen Abwürfe sind natürlich enttäuschend. So viele Fehler wie hier hat er das ganze Jahr nicht gemacht. Jetzt muss ich das erstmal abhaken und dann weitergucken.”

Philipp Weishaupt & LB Convall

Philipp Weishaupt & LB Convall

Philipp Weishaupt und der Holsteiner Hengst LB Convall v. Colman-Cascavelle zeigten ihre erste Nullrunde im Championat. Der Reiter in der Analyse: “Heute ist er so gesprungen wie immer. Das Mannschaftsergebnis ist so lala – zwischen super und scheiße. Wir hatten uns schon mehr erhofft und erwünscht. Aber wir haben schon auf den letzten Championaten gesehen, dass es kein Selbstläufer ist. Maurice sein Pferd sprang halt gar nicht gut – und mit drei Leuten ist es fast nicht möglich, in die Medaillen zu springen. Aber ich freue mich nun auf das Einzelfinale.”

Bundestrainer Otto Becker zog sein Fazit: “Der fünfte Platz geht in Ordnung. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wir wussten ja auch nicht so genau, wo wir stehen – können aber zufrieden sein. Maurice Pferd ist nicht so gesprungen wie die letzten Wochen, aber Maurice hat gekämpft. Sowas passiert einfach mal und ist uns allen schon so gegangen. Er hat keine groben Reiterfehler gemacht. Er reitet halt auch einen Hengst, der sehr gehfreudig ist und ein starker Charakter. Für das Einzel: Marcus hat jetzt leider seine gute Ausgangsposition verloren, während Philipp ein paar Plätze gut gemacht hat. Für Laura freut es mich, dass sie am Sonntag noch mehr Erfahrung sammeln kann. Mit einer Medaille wird es insgesamt schwer, aber wir werden weiter kämpfen.”

Fotos: Stefan Lafrentz