Gold für Niederlande

Aachen: Holland gewinnt mit bärenstarker Mannschaftsleistung Gold

Sie wollten Bronze gewinnen und nahmen Gold mit nach Hause: Die Niederländer zeigten einmal mehr, dass sie als Team funktionieren und waren mit 235,629 Prozentpunkten am Ende die glücklichen Sieger bei der EM in Aachen. “Ja, vor zwei Wochen habe ich noch gesagt, dass wir Bronze holen wollen, aber in den zwei Wochen haben wir haben wir viel trainiert und wurden besser und besser”, war der Bondscoach Wim Ernes zum Scherzen aufgelegt. Und auch Edward Gal hatte eine gute Erklärung für die starke Leistung mit seinem KWPN Wallach Glock’s Undercover N.O.P., der mit 82,229 Prozent auf Platz zwei landete und bei den Zuschauern Jubelstürme auslöste: “Las Vegas war für ihn sehr beeindruckend, die Zuschauer waren ganz eng am Viereck dran. Hier waren allerdings so viele Richterhäuschen um das Viereck, da konnte er gar nicht rausgucken.”

Mit Platz zwei machten die Briten am Ende nicht die glücklichsten Gesichter. Gold war greifbar, denn mit 234,229 Prozentpunkten waren sie in erreichbarer Distanz zu den Niederländern. Dennoch erklärte der Equipechef Richard Waygood: “Wir sind auf alle unsere Reiter stolz.” Mit 83,029 Prozent auf Platz eins blieb Charlotte Dujardin mit Valegro unter ihren Möglichkeiten. Fehler in den Zick-Zack-Traversalen und in den Einerwechseln ließen den Abstand zu Edward Gal und Undercover kleiner werden als gedacht.

Kristina Sprehe & Desperados

Kristina Sprehe & Desperados

Wirklich tief allerdings saß die Enttäuschung bei den Deutschen, die mit 230,914 Punkten Bronze gewannen – Gold war das Ziel. “Es ist wie im Fußball: Wenn man den Ball nicht über die Linie bekommt, kann man nicht gewinnen”, brachte es Equipechef Klaus Röser klar auf den Punkt. Bundestrainerin Monica Theodorescu erklärte zwar, nicht total enttäuscht zu sein (“Es ist trotzdem eine Medaille”), doch der Blick in die Gesichter der vier Teammmitglieder sprach Bände. Auch Schlussreiterin Kristina Bröring-Sprehe ließ den Kopf hängen, allerdings zeigte sie sich kämpferisch Richtung der Einzelentscheidung: “Wir versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen.” Die Piaffen waren nicht so gut, wie sie das Paar zeigen kann, hinzu kam ein Fehler in den Zick-Zack-Traversalen. “Um Gold zu holen, hätte alles funktionieren müssen, aber es hat nicht gereicht”, so Bröring-Sprehe.

Eine große Frage, die bei den Deutschen nach dem viel diskutierten Grand Prix von Totilas im Raum steht: Wird Matthias Rath mit dem Rapphengst noch im Special antreten? Während er direkt nach seinem Ritt noch klar ‘ja’ gesagt hatte, zeigte er sich bei der anschließenden Pressekonferenz verhaltener bezüglich einer Entscheidung: “Das werden wir morgen sehen.” Schon zuvor im Fernsehen hatte Matthias Rath gesagt, dass Totilas unklare Tritte gezeigt habe und sie nun rausfinden müssten, woran das liege. Auch die Gerüchte bezüglich des Vet-Checks bestätigte Matthias Rath. Es habe Probleme beim Vet-Check gegeben, aber er sei durchgekommen. Für morgen ist nun ein interner Vet-Check für Totilas geplant, der darüber entscheiden soll, ob das Paar noch mal in Aachen zu sehen sein wird.

Fotos: Karl-Heinz Frieler