Penelope Leprevost & Flora de Mariposa

Aachen: Doppelführung für Frankreich

Der erste Umlauf im Mannschaftsspringen bei der EM, der zugleich zweite Wertungsprüfung für das Einzel war, lieferte zumindest für die Einzelwertung keine Änderung auf den Podestplätzen: Noch immer führt die Französin Penelope Leprevost mit Flora de Mariposa vor Ludger Beerbaum (GER) mit Chiara und dem Briten Joe Clee mit Utamaro D’Ecaussines. In der Mannschaftswertung, die morgen in ihre Entscheidung geht, gab es allerdings Verschiebungen um die Medaillen. Wie im Einzel führt nun auch bei den Mannschaften die Equipe Tricolore aus Frankreich – und zwar mit 5,7 Punkten vor den Mannschaftsweltmeistern, den Niederländern, die 7,82 Punkte haben, und den Deutschen mit 8,4 Punkten. Großbritannien liegt im Rennen um die letzten Rio-Tickets auf Platz in aussichtsreicher Position, ebenso die Schweiz auf Rang sechs, die sich nach einem Fehlstart am ersten Tag heute mit drei Nullrunden nach vorne kämpften. Hoffnungen dürfen sich auch noch die Spanier auf Platz sieben machen, sowie Dänemark auf Rang acht und die Iren auf der neun.

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Für das deutsche Team ging erneut als Erste Meredith Michaels-Beerbaum mit Fibonacci ins Rennen – Bundestrainer Otto Becker behielt die Startreihenfolge wie im Zeitspringen bei. Ein Fehler am Wassergraben ließ die Stimmung bei der Amazone etwas nach unten gehen. “Heute hat der Reiter die falsche Entscheidung getroffen”, so Meredith Michaels-Beerbaum. “Ich bin viel zu dicht ans Wasser ran gekommen und war auch zu langsam. Der Fehler geht auf meine Kappe.” Groß sei der Druck gewesen, erklärte die 45-Jährige, die die Situation aber bereits von anderen Championaten kennt. “Ich muss einfach besser reiten – das ist das Ziel für morgen.”

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Auch Christian Ahlmann war nach seiner Runde mit Taloubet Z nicht hundertprozentig zufrieden, hatte die Laune aber noch nicht verloren. “Die zweite Stange wurde mir zum Verhängnis”, so der Reiter über seinen Fehler am ersten mächtigen Oxer, Hindernis Nummer sechs. Einen Galoppsprung mehr wollte Ahlmann da machen, wollte dadurch dicht genug an den Sprung dran kommen, “doch am Ende habe ich nicht richtig für die zweite Stange gekämpft. Ich hätte da aggressiver reiten müssen.” Der KWPN Hengst, so untermauerte der 40-Jährige aber, sei konzentriert gesprungen. Ihm könne man keinen Vorwurf machen. “Eigentlich wollten wir weniger Druck auf die Schlussreiter ausüben”, entschuldigte sich Ahlmann gegenüber Ludger Beerbaum und Daniel Deußer, der weiß, dass noch nichts verloren ist. “Morgen muss ich halt konzentriert bis zu Ende reiten.”

Ludger Beerbaum & Chiara

Ludger Beerbaum & Chiara

Sein schelmisches Grinsen aufgesetzt hatte Ludger Beerbaum nach seinem Ritt mit Chiara – erneut null und damit weiterhin Platz zwei auch in der Einzelwertung für den Reiter aus Riesenbeck. “Das war eine ziemlich harmonische Runde, noch besser als gestern”, erklärte Beerbaum. “Wir waren noch mehr eine Einheit.” Gleichzeitig wollte er auch in der Mannschaft keine schlechte Stimmung aufkommen lassen. Es müsse niemand Trübsinn blasen. “Das ist nur ein Wasserstand jetzt”, so der 51-Jährige. “Klar – würde man es mit dem Fußball vergleichen, waren es erste gute 20 Minuten und die nächsten 30 Minuten waren nicht so optimal. Dann war der Gegner besser. Aber die Messe ist noch nicht gesungen.” Hinsichtlich des deutschen Schlussreiters gab Beerbaum eine Prognose ab: “Daniel ist einer der besten Reiter der Welt. Wenn er null geht, sind wir im grünen Bereich – hat er einen Fehler, wird es allerdings eher orange.”

Daniel Deußer & Cornet D'Amour

Daniel Deußer & Cornet D’Amour

Doch Daniel Deußer und Cornet d’Amour blieben null. “Heute hat alles gepasst”, freute sich der deutsche Schlussreiter. “Nun sind alle Wege noch offen. Wir können gewinnen, aber auch Vierter werden.” Auch Deußer verleugnete nicht, Druck gehabt zu haben, eine gewisse Anspannung. “Die wird morgen wieder da sein”, sagte er. Und Bundestrainer Otto Becker prognostizierte bereits, dass morgen noch mehr Fehler passieren werden, weil der zweite Kurs erfahrungsgemäß schwerer gebaut wird. “Wir müssen dann halt einen weniger machen”, so Becker augenzwinkernd.

Fotos: Karl-Heinz Frieler